Kategorie: Aktuelles
Akkreditierungen: Neues aus Absurdistan
Bisher war es schon schwer genug, eine Foto-Akkreditierung zu bekommen. Schließlich musste man auch als freier Bildjournalist einen konkreten Redaktionsauftrag nachweisen und dieser musste oft auch mit einer Vorberichterstattung garniert werden. Abgesehen von der Tatsache, dass man als Bildjournalist nicht für die restliche Berichterstattung zuständig ist, sehe ich das auch als unzulässige Beeinflussung der Medien. Denn Bedingungen an die Berichterstattung waren sicher nicht vorgesehen, als der Gesetzgeber das Thema Pressefreiheit ins Grundgesetz geschrieben hat.
Und nun drehen die Verantwortlichen die Daumenschrauben noch ein weiteres Mal zu: Wer sich als Fotograf akkreditiert, bekommt einen Fotopass nur, wenn auch ein Textredakteur des selben Mediums angemeldet ist. Das hört sich zunächst logisch an, ist aber bei genauer Betrachtung genau das Gegenteil: Als freier Bildjournalist kann ich bei einer Akkreditierung kaum wissen, wer mir später die Bilder abnimmt. Dazu kommt, dass oft genug auch mal nur ein Bild mit Unterzeile erscheint, für das kein Schreiber vor Ort benötigt wird.
Was als nächstes kommt? Ich weiss es nicht. Ich weiss nur eines: Die Konzertfotografie als Betätigungsfeld für freie Bildjournalisten ist jetzt schon schwierig, oft genug ärgerlich und in vielen Fällen auch finanziell ein Nullsummenspiel. Wenn sich der Trend fortsetzt, wird es in Zukunft ein paar sogenannte “Medienpartner” geben, die für eine Handvoll Freitickets die Pressemitteilungen der Tourneeveranstalter in wohlwollende Vorberichte umschnitzen und auch bei der Nachberichterstattung wenig ehrliche Kritik abgeben. Das kann man dann auch als Werbung betrachten – mit Berichterstattung jedenfalls hat das nichts mehr zu tun.
Einmal mehr wird klar, dass die Tourneeveranstalter die Presse eigentlich nur instrumentalisieren wollen. An einer freien Berichterstattung ist niemand wirklich interessiert. Da der Gesetzgeber nach wie vor das Hausrecht der Veranstalter höher bewertet als die Pressefreiheit und Konzerte nicht als öffentliche Veranstaltungen betrachtet, wird sich daran auch in Zukunft nichts ändern. Schließlich zucken inzwischen nicht einmal mehr die Verbände mit der Schulter über solche Entwicklungen. Und der Leser muss sich dann eben damit abfinden, dass er Ankündigungen und Konzertberichte aus der Feder von PR-Leuten liest. Wenn er es denn überhaupt merkt.




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