Tom Jones und die Fotografen

Nein, das war nicht nett. Der Vertrag, den Tom Jones’ Management den Fotografen vorlegte enthielt einige absolut indiskutable Klauseln. Unter anderen wollte das Management die Fotos kostenlos für Werbezwecke verwenden, während die Fotografen die Bilder nur in einem einzigen Medium veröffentlichen durften. Agenturfotografen waren gleich ganz ausgeschlossen worden.
Darüber ereiferte sich auch wieder mal der DJV. Zwar erst einen Tag nach dem ersten Konzert in Düsseldorf, aber man war wie immer sehr bemüht, die Entrüstung mit einigen Worthülsen zum Ausdruck zu bringen. Der Vorsitzende, äh, Entschuldigung: Bundesvorsitzende Michael Konken ließ per Pressemitteilung verlauten, dass die Bedingungen für Fotografen “einen massiven Eingriff in die Freiheit der Berichterstattung” bedeuteten. “Urheberrechte werden mit Füßen getreten”, so Konken.
Nun zeigte das Ganze auch mal Wirkung bei den Redaktionen. Naja, zumindest bei einer Redaktion. Das Hamburger Abendblatt verzichtete auf die Berichterstattung und zeigte stattdessen einen leeren Rahmen mit dem Satz “Knebelverträge für Fotografen? Dann bleibt der Platz fürs Foto eben leer”. Zu gütig von den Printkollegen. Aber die so genannte Solidarität kennt dort offenbar enge Grenzen: Die Onlineredaktion konnte der Verlockung der IVW nicht wiederstehen und fügte eine Fotostrecke in ihren Artikel ein.
Solidarität mit den Fotografen? Wenns sein muss – aber kosten darf es nichts. Und das im doppelten Wortsinn. Für den leeren Kasten hat das Abendblatt sicher kein Honorar bezahlt und dort, wo es Klicks und damit Geld bringt, verzichtet man selbstredend nicht auf Fotos. Eine schwache und bigotte Aktion, die mal wieder zeigt, dass man als Fotograf auf weiter Flur und sehr alleine steht, wenn es um die Arbeitsbedingungen bei Konzerten geht. Nix gegen die Boykott-Bemühungen der Kollegen in Hamburg. Aber ich werde so etwas erst wieder ernst nehmen, wenn von Seiten der Verbände, Veranstalter und Redaktionen gemeinsame Richtlinien erarbeitet werden, die für die Berichterstattung in Deutschland gelten. Alles andere sind Strohfeuer.
Was bleibt für die Fotografen? Ein entgangenes Honorar und das schlechte Gefühl, zum Spielball der Funktionäre und Redaktionen gemacht zu werden, ohne dass solche Aktionen jemals eine Wirkung zeigen werden. Vor allem keine nachhaltige Wirkung. Ich kann mir schon ausmalen, wie die Pressemitteilung des DJV bei der nächsten Robbie Williams-Tour lauten wird. Wir haben die Sätze schon oft genug gelesen. Wirklich geändert hat sich nichts.
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2 Kommentare
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Stefan am 08.10.2009, 13:22
Typisch Abendblatt – ist eben aus dem Hause Springer…
Ansonsten hast Du natürlich – mal wieder – Recht mit dem Artikel. Das Problem ist eben, dass die Fotografie erheblich an Stellenwert verloren hat. Der alte Satz “ein Foto sagt mehr als Tausend Worte” scheint nicht mehr zu stimmen.
The Maastrix am 08.10.2009, 13:38
[...] Peter hat eine etwas deprimiertere Meinung als ich. Bookmark to: Hide [...]