Brauche ich einen Presseausweis?

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Da müsste man zunächst mal klären, wozu der Presseausweis eigentlich gedacht ist. Er soll die Presse “in der Wahrnehmung ihres Auskunftsrechtes unterstützen”, so steht es auf der Rückseite geschrieben. Man kann sich mit ihm gegenüber Behörden und Institutionen legitimieren, sprich seine berufliche Tätigkeit als Journalist nachweisen. In der Praxis jedoch hat das kaum Auswirkungen, vor allem nicht bei Konzertfotografen. Weder gelangt man nach Vorlage des Ausweises in das Konzert noch garantiert er eine Akkreditierung oder einen Fotopass. Diese hängen von vielen anderen Faktoren ab, nicht jedoch von einem Presseausweis.

Da es sich bei Konzerten um Privatveranstaltungen handelt, die nicht unter die Landespressegesetze fallen, hat der Ausweis auch keinerlei rechtliche Bedeutung. Schon gar nicht, seit er mit Beginn des Jahres 2009 die Autorisierung der Innenministerkonferenz verloren hat. Dem voran gingen Streitigkeiten um die Vergabe des Presseausweises. Die vier alten Herausgeber DJV, ver.di, BDZV und VDZ wollten sich das Monopol am bundeseinheitlichen Presseausweis erhalten und keine weiteren Verbände als Herausgeber akzeptieren.

Dagegen hatte Freelens geklagt und vom Verwaltungsgericht Düsseldorf Recht bekommen. Offenbar war der für Mitglieder der vier Organisationen teilweise kostenlos herausgegebene Presseausweis auch ein gutes Argument für eine Mitgliedschaft. Würde das Monopol fallen, müsste man sich gut überlegen, weshalb man diesem oder jenem Verband beitreten sollte. Trotz Aufforderung der Innenministerkonferenz kam es zu keiner Einigung der Verbände, woraufhin die Innenministerkonferenz die Autorisierung Ende 2007 zurückzog und den Ausweis damit entscheidend entwertete. Inzwischen geben insgesamt 6 Verbände den neuen Presseausweis heraus, zu den vier alten Verbänden sind Freelens und der VDS hinzugekommen.

Der Nutzen bleibt zweifelhaft. Wer Journalisten-Rabatte nutzen möchte, kann sich leicht ausrechnen ab wann es sich lohnt, die Angebote von Fluggesellschaften und Mietwagenfirmen zu nutzen. Allerdings sollte man sich auch vor Augen führen, dass diese Unternehmen Rabatte vor allem deshalb gewähren, weil sie sich davon den einen oder anderen Vorteil erhoffen. Eine gut gelaunte Presse ist noch nie ein Nachteil gewesen. Wer sich derart beinflussen lässt, sollte sich gut überlegen ob der Beruf des Journalisten die richtige Wahl war.

Für Konzertfotografen geht der tatsächliche Nutzen gegen Null. Ohne ordentliche Akkreditierung geht überhaupt nichts und die bekommt man auch ohne Presseausweis. Ich jedenfalls bin noch nie danach gefragt worden. Auch das Autopresseschild sieht recht schmuck aus, hilft aber gegen die reale Parkplatznot rund um die Konzerthallen recht wenig. Bleibt der Posingfaktor: Wer sich den Presseausweis in eine schicke Plastikhülle steckt und an einem Bändchen stolz um den Hals trägt, gibt ein sehr eindeutiges Statement. Noch peinlicher sind nur die Kollegen, die sich T-Shirts oder Westen mit dem Aufdruck “Presse” anziehen.

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4 Kommentare

  1. tta online  am 01.09.2009, 19:57

    so sieht es aus. im konzertbereich brauch man sowas wirklich nicht. wer für eine (tages)zeitung arbeitet wird schon eher danach gefragt. nutzen tut er aber eigentlich nur bei messen – wobei man dort eigentlich (fast) immer einen auftrag der redaktion mit sich führt (als freier, da volos und feste den presseausweis wirklich immer dabei haben ;) )

    solang man konzerte und nicht autounfälle oÄ fotografiert ist nen PA nicht nötig (was aber nicht heißt, dass ein Jugendpresseausweis wie wir (Jugendpresse Rheinland) ihn ausstellen nicht trotzdem schön aussieht

    Gruß Tobias
    PS: ich habe weder PA, noch JPA – wenn ich los geh bin ich akkreditiert oder hab einen auftrag von zeitung/magazin dabei

  2. Timo  am 02.09.2009, 11:13

    “Noch peinlicher sind nur die Kollegen, die sich T-Shirts oder Westen mit dem Aufdruck “Presse” anziehen.”

    Endlich sagts mal einer! Ich selbst habe keinen PA, habe bisher noch nie einen gebraucht und sehe für mich persönlich keinen großen Nutzen, wenn ich einen haben sollte.

    Ich kenne allerdings einen “Kollegen”, der auf seinem T-Shirt (ohne Witz) “Weltbester Webmaster von webseite.com” (plus den Worten PHOTO TEAM oder PRESSE) stehen hat, der hat einen Ausweis eines unseriösen Herausgebers und kommt sich jaaanz wischtisch damit vor. Wer’s braucht.

  3. Peter  am 02.09.2009, 11:29

    Lustigerweise blendet Google hier im Content haufenweise Anzeigen der unseriösen Anbieter ein. Immerhin, so taugt die Werbung wenigstens als abschreckendes Beispiel ;)

  4. Mars  am 08.09.2009, 15:55

    Wie Peter und Tobias schon erläutert haben, so reicht meistens eine Anfrage an den Veranstalter. Wenn der sieht, dass berichtet wird und einen Nutzen daraus ziehen kann, akkreditiert er auch. Wie in einem anderen Artikel schon steht, pfeift der Veranstalter dann auf den PA.

    Offizieller Weise muss man sich bei 1LIVE auch mit Presseausweis akkreditieren. Da wir allerdings eine Berichterstattung vorweisen können und auch schon von 1LIVE akkreditiert worden sind, ist dies auch bei künftigen Veranstaltungen kein wirkliches Problem. Es sei denn die Veranstaltung ist pressetechnisch von vornherein überlaufen, dann haben wir auch ein Problem.

    Ansonsten reicht zur Akkreditierung ein Redaktionsauftrag aus oder wir handhaben es bei Music2Web.de so, dass die Akkreditierung grundsätzlich vom Team in die Hand genommen wird.

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