Die eigene Ausrüstung, Teil 1

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Ausrüstung
Eigentlich habe ich es mir abgewöhnt, über meine Ausrüstung zu sprechen. Es verleitet zu sehr zu Technikgesprächen, bei denen die Fotografie auf der Strecke bleibt. Und schließlich macht ja der Fotograf das Bild und nicht die Kamera. Macht sie nicht? Macht sie doch. Denn so ganz ist es bei der Konzertfotografie nicht von der Hand zu weisen: Ohne einen gewissen Standard bei der Ausrüstung geht es nicht. Deshalb liste ich hier ausnahmsweise mal auf, was ich an Ausrüstung benutze und vor allem: warum.

Allgemeine Ideen zum Thema Ausrüstung

Früher hatte ich die wichtigsten Sachen doppelt. Zwei bis drei Kameras, die meisten Objektive überschnitten sich großzügig in den Brennweitenbereichen und es gab zusätzlich zu den Zooms noch Festbrennweiten. Dazu zwei Kompaktblitze, Studioblitze und jede Menge Zubehör wie Fernauslöser, Blitzkabel, Belichtungsmesser, Funkauslöser, zig Speicherkarten und vieles mehr. Schleppen konnte das niemand mehr und abgesehen vom Platz, den das alles wegnahm steckte darin auch jede Menge totes Kapital. Als ich Ende 2008 das System wechselte und von Canon auf Nikon umstieg, wurde mir schlagartig klar, dass meine Ausrüstung deutlich kleiner sein kann.

Ausrüstung

Wie viel Zeit braucht man, um im Bühnengraben ein Objektiv zu wechseln? Mit etwas Übung keine zehn Sekunden. Vorausgesetzt man hat geübt und die Objektive sind in Griffnähe, sprich an einem Gürtel befestigt. Wozu dann als zwei Kameras? Oder drei? Klar, es kann immer mal etwas kaputtgehen. Im schlimmsten Fall streikt die Kamera mitten im Konzert. Das ist dann zwar sehr dumm gelaufen, aber kein Weltuntergang. Und wenn man ehrlich ist, auch sehr unwahrscheinlich. Man prüft seine Ausrüstung und holt sich zur Not rechtzeitig ein Leihgerät beim Service. Und wenn es doch passiert: Der Verdienst, der an diesem Abend ausfällt rechtfertigt jedenfalls keine doppelt vorhandene Ausrüstung. Will man den Kunden nicht im Regen stehen lassen, leiht man sich eben ein paar Bilder vom Kollegen.

Thema Objektive: Wie viel besser werden die Bilder, wenn ich mir erst mal den Kopf darüber zerbrechen muss, ob ich die richtigen Objektive dabei habe und ob die richtigen Objektive dann auch auf der oder den Kameras sind? Ich behaupte mal, dass solche Gedankengänge eher zu schlechteren Bilder führen. Eine konsequente Reduzierung der Objektive erleichtert auf jeden Fall die Auswahl und lässt bei den heute verfügbaren Zooms immer noch genug Spielraum für die Abdeckung weiter Brennweitenbereiche.

Und so ist es mit vielen Dingen. Ich persönlich brauche zum Beispiel selten Kunstlicht, sprich Blitze. Trotzdem habe ich jahrelang mit Studioblitzen hantiert. Neben dem Umstand, dass diese Dinger groß und sperrig sind, sind sie auch noch schwer zu transportieren und wegen der Stromversorgung wenig flexibel. Wer so etwas on Location einsetzt, braucht Assistenten und das nötige Kleingeld für die sogenannten Portys, sprich tragbaren Akkupacks für die Studioblitze. Aber auch hier stellt sich die Frage, ob das dem Einsatzzweck gerecht wird. Wenn ich mal Kunstlicht brauche, dann bei Interviews oder Künstlerportraits. Ich muss keine riesigen Sets ausleuchten. Nach einigen Testaufnahmen war klar: Das geht locker mit einem Kompaktblitz, einem leichten Stativ und zwei Schirmen. Keine Softboxen, keine riesigen Stative, lediglich eine kleine Umhängetasche – das wars.

on-location

Das kleine Beleuchtungsset in Aktion

Und auch in einem speziellen Bereich habe ich reduziert: Das analoge Mittelformat fiel dem Downsizing zum Opfer. Es war das Nonplusultra für Portraits und vielleicht gerade deswegen stand die Hasselblad bei mir die meisten Zeit des Jahres im Schrank. Rund 4000.- Euro stehendes Kapital für 10 bis 15 Rollen Film im Jahr? Im Leben nicht. Auch wenn es mich bis heute schmerzt, die einzig richtige Lösung war der Verkauf. Wenn ich heute eine Mittelformatkamera brauche, dann kann ich mir eine leihen. Das kostet pro Einsatz rund 120.- EUR. Da kann man lange leihen.

Speicherkarten sind auch so ein Thema. Jeder hat irgend eine Pappschachtel in der ein ganzer Schwarm von Speicherkarten haust. Ich hatte alle gängigen Größen und Geschwindigkeiten vorrätig. Zu längeren Aktionen wie z.B. Festivals hab ich sie alle mitgenommen und nacheinander vollgeschossen. Dass bei den teilweise steinalten Dingern keine Katastrophe passiert ist, grenzt an ein reines Wunder. Heute habe ich vier identische Speicherkarten. In die Kamera kommen gleichzeitig zwei Karten und der Satz kann einmal getauscht werden. Der nicht benutzte Satz wird auf einen kleinen Festplattenspeicher kopiert. So kann ich direkt weiterfotografieren, während der Karteninhalt auf die Festplatte wandert. Die Karten tausche ich einmal im Jahr aus und werfe die alten weg. Speicherkarten sind Verbrauchsmaterial und nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt wiederbeschreibbar. Wann der kommt, weiss man meistens nicht – deshalb der jährliche Tausch. Das Sammelsurium von über dreißig Speicherkarten ist jedenfalls Geschichte und machte einer kleineren, leichteren und letztlich auch sicheren Lösung Platz.

Das alles ergibt eine schlanke Ausrüstung, die man ohne Assistenten und Kreuzschmerzen komplett bei sich tragen kann. Es reduziert den Kapitaleinsatz und ist nicht riskanter als das Vorhalten diverser Redundanzen in der Ausrüstung.

Im zweiten Teil geht es mit der konkreten Vorstellung der einzelnen Ausrüstungsteile weiter…


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10 Kommentare

  1. marco  am 07.09.2009, 12:22

    recht pragmatisch. bei mir aber fast genau so, früher war ich im graben fast immer mit zwei bodies unterwegs, jetzt auch nur noch mit einem (wenngleich ich einen älteren als backup rumliegen habe). ich habe für porträt-situationen und künstliches licht derzeit eine test-kombination aus 2 aufsteckblitzen und einem hensel-studioblitz, gerade noch am rande der tragbarkeit, aber ich finde einige lichtformer von hensel einfach klasse und möchte die nicht missen.

  2. Rene  am 07.09.2009, 16:04

    Schöner Artikel.
    Aber bevor du die Speicherkarten weg wirfst nehme ich sie gerne in meiner Sozialstation auf ;)

    lg rene

  3. Peter  am 07.09.2009, 16:23

    @marco: Stimme Dir zu, was die Lichtformer betrifft. Wenn man oft auf Softboxen oder Dishes angewiesen ist, kann man die Kompaktblitze vergessen. Die eigenen sich m.E. nach nur für Schirme (Reflektor oder Durchlicht) – für alles andere sind sie einfach zu schwach.

  4. Peter  am 07.09.2009, 16:26

    @Rene: Okay, wenn ich das nächste mal tausche, kann ich es ja hier ankündigen und die Dinger verlosen ;)

  5. c-v  am 08.09.2009, 02:59

    hmmm, das mit dem/den Body/s habe ich manchmal auch, nehme aber trotzdem meist beide mit (einmal FX, einmal DX) – alleine schon des Crops wegen :) Ausserdem ist es bei manchmal extrem engen Slots das Wechseln schon einfacher, wenn man nur den Body umschwenkt als die Optik tauschen zu muessen…

    Aber wenn ich den Aufbau vorher kenne, und/oder alles weit schleppen muss, nehme ich nur einen Body mit, plus entsprechenden Optiken.

    Aber Deinen Fotos entnehme ich, dass Du alles ín Koffern hast – hast Du also ‘nur’ Koffer und die Guertelholster? Ich bin auch ein Guertelfan (neuerdings ;) – aber es gibt Veranstaltungen, wo das einfach nicht passt; dann doch lieber Rucksack :)

    Verlosung? Warum nicht gleich die “originalen Speicherkarten vom konzertfoto-faq.de-Betreiber”? :D

    c-v

  6. Peter  am 08.09.2009, 10:16

    @c-v: Tja, da sprichst Du mal einen wunden Punkt an. Ja, ich habe alles in Koffern. Und in Taschen. In vielen Taschen. Und Rucksäcken. Und am Gürtel. Man kann ohne Übertreibung sagen, dass ich für jede Kombination an Ausrüstung, jede Beförderungsart und jede Klimazone das richtige Behältnis besitze ;)

  7. André  am 08.09.2009, 14:21

    Schöner Artikel! Wahrscheinlich werden auch bei diesem Thema mal wieder die Meinungen weit auseinander gehen. Zuviel! unnützes Equipment macht einen nicht nur körperlich träge und “unmobil”, weil es schwer und unhandlich ist, sondern kleistert einen auch die Phantasie zu und trägt auch nicht gerade dazu bei, dass man spontan ist bzw. reagieren kann.

  8. c-v  am 09.09.2009, 01:45

    jein – bei zuwenig aergert man sich – vor allem, wenn man es ja im Grunde ‘hat’, nur nicht dabei…

    Ich versuche gerade, eine ‘gescheite’ Loesung zu finden – Guertel wenn’s moeglich ist, sonst Rucksack (weil Rueckenschonender, Schultertasche mag mein Kreuz nicht mehr) – und das ganze dann fest im Auto zu verstauen, bloss man kann ja nicht immer alles im Auto lassen (andererseits habe ich keinen Bock, alles taeglich zu schleppen) – hmmm… Und im Winter muesste der Kram ja auch am besten vorgeheizt werden ;)

    c-v

  9. Martin Gommel  am 11.09.2009, 20:20

    Absolut lesenswerter Start einer Artikelserie. Jetzt zu Teil 2 ;)

  10. KWERFELDEIN - Martin Gommel  am 13.09.2009, 13:30

    [...] auf lange Sicht verschreiben will, dem empfehle ich wärmstens sich Peter’s 4-Teiler über seine Ausrüstung. Der Mann weiß, wovon er [...]

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