Die eigene Ausrüstung, Teil 2
Schlagworte: Ausrüstung, ISO, Kamera, Technik

Im zweiten Teil dieser Serie geht es im die konkrete Aurüstung – zunächst um die Kamera, die ich verwende. Im ersten Teil hatte ich bereits beschrieben, warum ich inzwischen nur noch eine Kamera verwende. Nach dem Systemwechsel von Canon zu Nikon hatte ich zwar zunächst mit einigen Modellen (u.a. D2Xs und D300) experimentiert, mich dann aber doch voll und ganz auf die Nikon D3 eingestellt.
Die Kamera: Nikon D3
Mit dieser Kamera ist eine Evolutionsstufe im Kamerabau erreicht, die für Konzertfotografen wenig Wünsche offen lässt. Extrem rauscharm, robust, schnell und sehr zuverlässig. Was vielen Vorgängern diverser Hersteller als Mangel anhaftete, war das Sensorrauschen. Man operierte ewig am Rande des Machbaren, immer versucht mit geringstmöglicher Empfindlichkeit zu arbeiten. Oft waren ISO 800 das Höchste der Gefühle, ISO 1600 waren schon ein absoluter Notnagel. Als die D3 auf dem Markt kam, war das mit einem Schlag vergessen. ISO 4000? Bitteschön, kein Problem. Ich hätte sie alleine wegen des sensationell geringen Rauschens gekauft.

Bildquelle: Alle Fotos © nikon.de
Dass sie noch weitere Vorteile hat, wäre mir ehrlich gesagt herzlich egal gewesen. Ich hatte beispielsweise nie Probleme mit den kleineren Sensorformaten (auch Crop genannt) der Canon EOS 1D. Bisweilen erschien mir das sogar fast als Vorteil. Ein bisschen mehr “Brennweite” kann ja nie schaden. Trotzdem bin ich inzwischen völlig begeistert davon, wieder eine Kamera zu benutzen, die das volle Kleinbildformat auf den Sensor bringt. Der Sucher zeigt wieder ein richtig großes Bild und die Nutzung extremer Weitwinkel lohnt sich endlich richtig. Auch das komplette Handling unterscheidet sich grundlegend von den Canon EOS-Modellen, die ich bis dahin benutzt habe. Bei Canon geht alles über Knöpfchenkombinationen, bei Nikon gibt es für die wichtigsten Funktionen eigene Knöpfe oder Schalter. Hört sich trivial an, für mich liegen da aber Welten dazwischen.
Der Autofokus hat sich als treffsicher erwiesen und arbeitet auch im Dunkeln sehr gut. Das ist meiner Meinung nach noch wichtiger als die Geschwindigkeit. Ein schneller Autofokus kann bei Helligkeit zum Beispiel in der Sportfotografie großartiges leisten. Aber wenn man in einer dunklen Konzerthalle steht, kommt es nicht auf das letzte Quentchen Geschwindigkeit an, sondern auf Treffsicherheit und Zuverlässigkeit. Fairerweise muss man sagen, dass die Luft an dem Punkt schon sehr dünn wird und die Profimodelle der großen Hersteller sich da sehr nahe kommen. Es mag ein subjektiver Eindruck sein, aber die Trefferquote hat sich seit dem Umstieg auf die D3 weiter erhöht.
Die größte Überraschung jedoch bietet der Sensor. Und zwar nicht beim Thema Bildrauschen, sondern beim Thema Bildqualität. Selten zuvor habe ich so klare und direkt nutzbare Ergebnisse aus einer Kamera geladen. Meine Nachbearbeitungszeit hat sich seit dem Umstieg auf die D3 sicher um mehr als die Hälfte reduziert. Da hat Nikon sehr sauber gearbeitet – ich habe keine Ahnung, wie sie es machen, aber sie machen es gut. Wenn ich heute nachbearbeite, dann dreht es sich im Wesentlichen um Kontraste und Tonwertanpassungen. Wo ich früher damit beschäftigt war, die Farben wenigstens grob an die Realität anzupassen und ausgefressene Bereiche noch zu retten, kann ich heute schon die Bilder verschicken. Und das ist ganz klar eine Frage des weiterentwickelten Sensors: Weder mit der D2Xs noch mit der D300 waren so verwertbare Ergebnisse drin wie mit der D3.

Weitere Nettigkeiten sind der doppelte Speicherkartenslot, der gut funktionierende Live-View sowie das Kameradisplay. Nachdem ich mir schon bald angewöhnt hatte, die Bildergebnisse eher nach dem Histogramm als nach dem Monitorbild zu beurteilen, musste ich mit der D3 doch etwas umdenken. Zwar kann sie auch das Histogramm anzeigen, aber der Monitor ist so gut, dass man getrost auch nach dem Bild entscheiden kann, ob noch Korrekturen notwendig sind. Zum einen ist der Monitor sehr gleichmäßig beleuchtet, zum anderen ist er groß und durch die knapp eine Million Bildpunkte sehr scharf. Das wesentliche Merkmal ist aber die werksseitige Kalibration. Nikon eicht die Monitore schon im Werk, so dass eine annähernde Farbgenauigkeit gegeben ist. Genau genug jedenfalls, um vor Ort zu entscheiden was man noch am Bildergebnis optimieren kann.
Ansonsten kann die D3 eine Menge Dinge, die ich zwar kenne aber nicht benutze. Belichtungsmessung mit Matrix und 3D-Luxus? Schön, schön – aber ich mache das lieber manuell. Und die rasanten 11 Bilder pro Sekunde? Ja gerne, aber sieben oder acht Bilder pro Sekunde täten es auch… geschenkt. Die wesentlichen Faktoren sind für mich ganz andere. Aber halt… muss es denn dazu eine D3 sein? Schließlich gibt es doch auch die D700, deutlich günstiger und mit dem selben Sensor bestückt? Ja und nein. Die D700 könnte von ihren Funktionen genau die selben Ergebnisse bringen wie die D3. Aber sie hat zwei Unterschiede: Da ist zunächst der Sucher. Er bildet bei der Nikon D700 keine 100% des Bildfelds ab, sondern nur etwa 97% der Sensorfläche. Hört sich erstmal nach nix an, sind aber an der langen Seite des Bilds schon knapp 130 Pixel, die man quasi “blind” fotografiert. Für mich ein absolutes No-Go, denn die muss ich hinterher entweder mühsam abschneiden oder mich mit dem abfinden, was das versehentlich auf das Bild geraten ist. Und warum gebe ich mir dann mühe mit der Bildgestaltung, wenn ich hinterher doch irgend einen Mikroständer im Bild habe? Nein danke.
Der zweite Grund ist die Gehäuseform der D3. Solide, wie aus einem Block gefräst. Der legendären Nikon F3 sagte man nach, man könne mit ihr zur Not auch Nägel in die Wand hauen. Das geht mit der D3 sicher auch, ist aber nur ein netter Spruch, mehr nicht. Tatsächlich ist die Bauform des großen Gehäuses eine extrem stabile Angelegenheit und liegt vor allem auch gut in der Hand. Kein unwichtiger Punkt, wenn man die Kamera dauernd benutzt.
Es gibt also eine Menge Gründe, warum ich genau diese Kamera benutze. Um es nach oben hin abzugrenzen: eine D3X kommt für mich nicht in Frage. Erstens liegt sie preislich in Regionen, die man auch erst mal refinanzieren muss. Zweitens kann ich mit der Menge an Megapixeln kaum was anfangen. Ich müsste jedes Bild erstmal “eindampfen” und damit kostbare Zeit aufwenden. Außerdem erreicht sie bei weitem nicht das Rauschverhalten der D3. Einzig und alleine die Bildwiedergabe des großen Sensors würde mich unter Konzertbedingungen mal interessieren. Vermutlich ist da an Detailtreue und Farbverhalten noch etwas mehr herauszuholen als mit der D3. Wobei ich vermute, dass sich das allenfalls in homöophatischen Mengen bemerkbar machen würde. Und dafür lohnt der finanzielle Einsatz nicht.
Weiter mit dem nächsten Teil der Serie: Jetzt sind die Objektive dran…
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3 Kommentare
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c-v am 09.09.2009, 01:56
*unterschreib* – geht mir ganz genauso…
Ohne jetzt Canon-Bashing betreiben zu wollen: Ich bekam neulich eine in die Hand und war arg am Schwimmen… Klar, Gewoehnungssache, aber seit ich seinerzeit die D200 in der Hand hatte (geplant war der Kauf einer 30D), wollte ich *die* haben – lag besser in der Hand, bedienungsfreundlicher, ich kam super mit klar.
Einen Vorteil sehe ich aber bei der 700er gegenueber der 3er – analog zur D300 ist im Hochformat der (zusaetzliche) Joystick gut mit dem Daumen zu bedienen, bei der 3er muss ich immer weiiit ruebergreifen
Aber die 3er liegt einfach ’satter’ in der Hand als die 700er, die fuehlt sich immer so ‘zusammengestueckelt’ an… Dennoch (wie schon in Part 1 geschrieben) arbeite ich auch gern und oft mit der 300er, des Cropfaktors wegen… Wenn genug Licht da ist, kein Thema – man ist aber von der 3er echt versaut, was vierstellige ISOs angeht – wie Peter schon schrieb? 4000 ISO – klar, meinetwegen auch noch ‘ne Schueppe mehr *traeum*…
Peter am 09.09.2009, 10:00
@c-v: Das mit dem zusätzlichen Joystick stimmt, der ist praktisch.
Martin Gommel am 11.09.2009, 20:26
Auch schön zu lesen – hatte nicht gewusst, dass Du so konsequent das Lager gewechselt hast. Jetzt kann ich es umso besser nachvollziehen.