Die eigene Ausrüstung, Teil 3

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Objektive

Objektive sind eine teure Angelegenheit. Vor allem wenn man meint, viele davon besitzen zu müssen. Ich versuche, mit möglichst wenigen Objektiven auszukommen und -falls nötig- etwas zu leihen. Das hat (wie wir noch sehen werden) seine Grenzen, funktioniert aber im Allgemeinen ganz gut. Und: es lohnt sich. Hier nun die Liste der von mir genutzten Objektive, absteigend nach Verwendungshäufigkeit. Außerdem einige Hinweise auf Alternativen.

Nikon AF-S 24-70mm 1:2,8G ED

Nikon AF-S 24-70mm 2.8GDas Brot-und-Butter-Zoom. Wenn ich die EXIF-Statistiken meiner Bilder durchsehe, dann stelle ich fest, dass über drei viertel aller Bilder mit diesem Objektiv entstehen. Mit Abstand die lohnendste Investition im ganzen Objektivpark. Am Vollformat sind die 24mm am kurzen Ende weit genug um auch mal die Zuschauer mit ins Bild zu nehmen, andererseits sind die 70mm am langen Ende gerade lang genug für die Standardportraits, die man am Anfang der Show macht. Der Ultraschall-Autofokus ist rasend schnell und die Haptik ist großartig: Seidenweich laufen die Zoom- und Fokusringe, die Gegenlichtblende ist mit einem vernünftigen Bajonett ausgestattet – das Standardzoom von Nikon lässt keine Wünsche offen. Allerdings ist es recht groß und schwer.
Alternative: Von Tamron gibt es ein hervorragendes AF 2.8/28-75mm Objektiv. Zwar ohne Ultraschall-Autofokus, aber von der optischen Leistung her überragend und unschlagbar günstig. Es ist gebraucht teilweise um die 250.- EUR zu bekommen und kostet neu nur unwesentlich mehr. Für den Anfang sicher eine sehr gute Wahl. Zudem schön klein und leicht, so dass man es auch überall mit hinnehmen kann.

Nikon AF-S 80-200mm 1:2,8 ED-IF

Nikon 80-200 ED IFDas schärfste Objektiv, das ich je besessen habe. Hat zwar keinen Bildstabilisator, aber das halte ich ohnehin für ein überbewertetes Feature. Dafür hat man einen beindruckenden Klotz in der Hand, dessen Autofokus rasend schnell ist und dessen optische Leistung jenseits jeder Diskussion steht. Neben dem 24-70mm das meistgenutzte Objektiv in meiner Liste. Für Close-Up Portraits unverzichtbar und mit dem Brennweitenbereich quasi in jeder Halle einzusetzen.

Close-Up von Pip Brown / Ladyhawke mit 200mm Brennweite

Close-Up von Pip Brown / Ladyhawke mit 200mm Brennweite

Alternative: Es gibt diverse Objektive dieser Bauart von Fremdherstellern. Nikon selbst hat noch ältere Varianten im Programm, die auch sehr gut sein sollen. Ansonsten ist das AF-S 80-200mm 1:2,8 ED IF selbst schon etwas in die Jahre gekommen, weshalb es auf dem Gebrauchtmarkt auch zu recht interessanten Tarifen zu bekommen ist. Da lohnt es sich kaum, auf einen Fremdhersteller auszuweichen.

Nikon AF-S 14-24mm 1:2,8G ED

Nikon AF-S 14-24mm 2.8GEndlich wieder richtig viel Weitwinkel. Mit dieser Linse sind irre Perspektiven möglich, allerdings braucht es auch die richtige Umgebung. In großen Hallen kann man recht gute Übersichten damit machen, wirklich in Fahrt kommt das Weitwinkelzoom jedoch erst in kleinen Clubs, vor allem wenn es dort keinen Bühnengraben gibt. Je näher man an die Aktion herankommt, desto besser wird die Bildwirkung. Das kann je nach Motiv bedeuten, dass man nicht mehr als zwei Meter entfernt sein darf – bisweilen eine Gratwanderung, denn man will und soll niemanden stören, weder das Publikum noch die Musiker.

Chad Kroeger / Nickelback aus nächster Nähe mit 14mm Brennweite

Chad Kroeger / Nickelback aus nächster Nähe mit 14mm Brennweite

Deshalb ist es bei Weitwinkelaufnahmen wichtig, sich vorher genau zu überlegen wie das Bild aussehen soll. Dann kann man gezielt an das Motiv herangehen und sich auch schnell wieder zurückziehen.
Alternative: Kaum. Schon gar nicht im Bereich von 14mm. Man könnte ausweichen auf das etwas ältere, aber kaum weniger gute AF-S 2.8 17-35mm, das wird aber selbst gebraucht noch für mindestens 850.- EUR gehandelt. Eventuell kämen Festbrennweiten in Betracht, aber auch gebrauchte 14mm-Objektive sind teuer. Im Bereich der DX- oder EF-S-Objektive, die für digitale Kameras gebaut werden, gibt es inzwischen einige Objektive mit einer Anfangsbrennweite von 10mm und recht guten Lichtstärken. Außerdem könnte man über ein Fisheye nachdenken. Aber der Effekt verbaucht sich schnell, mehr als ein oder zwei Fisheye-Bilder kann man in einer Serie kaum unterbringen. Und dass eines dieser Bilder gedruckt wird, ist auch ziemlich unwahrscheinlich.

Nikon AF 50mm 1:1,8

Nikon AF 50mm 1.8Klein, leicht, billig und kann trotzdem mal eben schnell einen Auftrag retten – ein absolutes Must-Have in jeder Tasche. Bei widrigen Lichtverhältnissen schafft es einfach mehr Licht in die Kamera als die Zooms, was den Unterschied zwischen einer verwackelten 1/30stel und einer noch nutzbaren 1/60stel Sekunde ausmachen kann. Zusammen mit den extremen ISO-Leistungen der D3 ist man quasi für jede denkbare Katastrophe gerüstet. Jetzt wird sich mancher fragen, warum ich nicht das deutlich besser verarbeitete und noch etwas lichtstärkere 50mm 1.4 einsetze. Ganz einfach: Es kostet das dreifache und bringt nicht mal 10% mehr Nutzen. Sicher, das neue AF-S 50mm 1:1,4G ist ein echter Leckerbissen. Aber das sieht man in meinen Bildern nicht und das 1,8er habe ich gebraucht beim Händler für läppische 79.- EUR gekauft. Das rechnet sich schon nach 1-2 geretteten Aufträgen. Und für die wenigen Situationen, in denen ich eine Festbrennweite einsetzen muss tut es das 1,8er – so schlecht, wie immer behauptet, ist es nicht verarbeitet und an der D3 ist der Autofokus absolut ausreichend für das, was ich mache.
Alternative: Unnötig. Günstiger gehts ja wohl kaum. Wer lieber etwas mehr in Richtung Tele gehen möchte, kann sich ein 85mm 1.8 zulegen, das erfüllt den Zweck dann eben ein bisschen besser – wenngleich es nicht zu so günstigen Tarifen wie das 50er zu haben ist.

Nikon TC-20E Telekonverter

Nikon TC-20EEin Telekonverter kann nie schaden. Man hat nicht immer das große Tele dabei und doch passiert es ab und zu, dass man entweder nach hinten zum Mixer gestellt wird oder von einer Empore fotografieren muss. Der Konverter macht aus einem 80-200mm 2.8 immerhin noch ein 160-400mm bei Blende f/5.6 – nicht schön, kann aber auch mal einen Auftrag retten. Und er nimmt nicht viel Platz weg, kann also immer dabei sein.

Neil Tennant / Pet Shop Boys von der Empore des Palladium mit 80-200mm + 2-fach Konverter

Neil Tennant / Pet Shop Boys von der Empore des Palladium mit 80-200mm + 2-fach Konverter

Alternative: Man könnte, gerade wenn man eine Crop-Kamera sein eigen nennt, auch mit einem 1.4-fach Konverter arbeiten. Vorteil: Man kommt auch auf eine respektable Brennweite (Beispiel D300: 200mm x 1.5 x 1.4 = 420mm bei f/4) ohne gleich zwei Blendenstufen an Licht zu verlieren.

Nikon AIS 400mm 1:2,8 ED

So ein Supertele ist eine ziemlich unsinnige Angelegenheit. Man braucht es vergleichsweise selten, aber wenn – dann muss es sein. Das Problem dabei: aktuelle Versionen dieser Superteleobjektive sind normalerweise kaum zu finanzieren und eine Leihe ist eher schwierig und oft auch unrentabel. So weichen viele auf die beliebten 80-400er oder einen 2-fach Konverter für die Telezooms aus. Die sind aber am langen Ende mit einer größten Öffnung von f/5.6 schon recht dunkel. Außerdem ist dann bei 400mm Brennweite endgültig Schluss, was in großen Hallen einfach deutlich zu wenig ist – vor allen an Vollformatkameras.

New Kids On The Block in der Philipshalle Düsseldorf aus ca. 40m Entfernung mit 400mm Brennweite

New Kids On The Block in der Philipshalle Düsseldorf aus ca. 40m Entfernung mit 400mm Brennweite

Auf Dauer kommt man mit einem solchen Notnagel nicht durch. Aber mit der Möglichkeit, dank des unveränderten Nikon-F-Bajonetts auch alte Objektive an neuen Kameras zu betreiben kann man sich auf die Suche nach älteren, manuell fokussierten Versionen dieser Objektive machen. Mit etwas Geduld sind diese Linsen für 1000-1500 EUR zu bekommen. Wenn man eine Nutzungsdauer von mehreren Jahren ansetzt, ist eine Refinanzierung durchaus realistisch. An ein 400mm 1:2,8 kann man problemlos einen 1.4-fach bis 1.7-fach Konverter ansetzen, auch ein 2-fach Konverter ist noch möglich. Damit ist man dann bei 800mm und Blende f/5.6 – hört sich grenzwertig an, geht aber. Unabdingbar: Ein extrem solides Einbeinstativ.

So. Das macht also in der Summe fünf Objektive und einen Konverter. Wobei das 400er nur mitgeht, wenn vorher klar ist, dass man weit weg stehen wird. Oder wenn man den Verdacht hat, es könnte von Nutzen sein. Das 24-70mm hängt an der Kamera, die restlichen Objektive und der Konverter sind im Gürtel verstaut und jederzeit greifbar. Kompakter und leichter geht es nicht. Und ich habe nicht das Gefühl, dass ich irgend etwas vermisse. Keine Fisheyes, keine Schnickschnackeffektbabys. Nicht dass es mich nicht auch mal jucken würde, sowas einzusetzen. Aber es rechnet sich einfach nicht. Wenn ich mir sowas leiste, dann muss das ganz klar als Hobby laufen. Und die Liste beim Thema Hobby ist leider schon voll mit anderen Ideen…

Im letzten Teil der Serie: Das Zubehör und die EDV…


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11 Kommentare

  1. Kai  am 09.09.2009, 11:25

    Jetzt habe ich jeden Tag über dein Equipment gelesen, und habe wieder ein beruhigtes Gewissen. Ich bin Purist :) Aber eben auch ein Hobbyfotograf.

  2. Peter  am 09.09.2009, 11:29

    @Kai: Warte mal bis morgen, beim Thema “Transport” ist dann Schluß mit dem Minimalprinzip ;)

  3. Jan  am 09.09.2009, 14:26

    Wie, gar kein Blitz? Für große Konzerte eh nicht brauchbar, aber in (extrem-) kleinen Clubs kann der einem schon mal den Hinter retten…

  4. Peter  am 09.09.2009, 14:39

    @Jan: In Teil 3 geht es nur um Objektive. Blitz und Zubehör wird im vierten Teil behandelt – wenn auch nicht besonders ausführlich, weil ich den Blitz eben recht selten benutze…

  5. c-v  am 09.09.2009, 16:49

    achja, das gute 14-24 *seuftz-sabber*…

    btw: es gibt ‘jetzt’ (kommt) ein neues 70-200, mir VR II – was das bringt, wird der Praxistest dann zeigen, ich bin mit dem Ier sehr zufrieden, kein Vergleich zum Fremdhersteller davor…

    An diesem Objektiv nutze ich auch den 1.7er Konverter – das ist imho schon die Grenze, denn f4.8 ist nicht wirklich hell, und die Bedingungen sind oft sehr grenzwertig :/ [von so Bedingungen wie oben dem Musterfoto traeumt man manchmal ;) ]

    Kleine anregung am Rande, Peter: Willst Du nicht der Abteilung “wie befoerdere ich meine Cam” einen eigenen Eintrag widmen? *g* – kannst ja Blitz, Regencape, Einbein stc. in Part IV packen und die Befoerderung dann in Part V, und VI, und VII ;)

    Den letzten Absatz nur ein bissel ernst gemeint habend *zwinker*,

    c-v

  6. Peter  am 09.09.2009, 18:40

    @c-v: Nur Geduld, morgen kommt ein großer Absatz zum Thema Beförderung ;)

  7. Martin Gommel  am 11.09.2009, 20:33

    Jaja, das Einzachter ;) Schöner Überblick, auch hier.

  8. Timo  am 20.09.2009, 14:45

    So ein 400/2.8 steht bei mir schon lang auf der Liste, eben genau aus dem Grund, dass das 80-400 zu dunkel und manchmal zu kurz ist. Auch wenn ich kein MF-Freund bin, ist das immer noch der bessere Kompromiss als 5k€ auf den Tisch zu legen ;) Bisher hatte ich nur noch nie das Glück, ein AIS zu finden.. oder ich schau in den falschen Foren ;-)

  9. Peter  am 21.09.2009, 01:32

    @Timo: Ja, da muss man Geduld haben. Bin bei Ebay drüber gestolpert.

  10. Pfohl  am 12.11.2009, 14:33

    Hallo Peter,
    als Alternative für das Nikkor 24-70 nennst du das Tamron 28-75 2.8.
    Würdest du diese auch an einer “Cropkamera” empfehlen oder eher zum Tamron 17-50 2.8 raten. :D

    greetz Andi

  11. Peter  am 12.11.2009, 17:02

    Hallo Andi,
    also am Crop dann doch eher das 17-50er. Das soll aber wohl genauso gut sein wie das 28-75er.
    Viele Grüße,
    Peter.

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