Löschen oder Behalten?

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Macintohs HD
Je schneller die Auflösungen der Kameras stiegen, desto größer wurden auch die Datenmengen. Gleichzeitig fielen die Preise für Speicherchips ins Bodenlose, so dass man heute am Tag schnell ein paar Gigabytes an Daten anhäufen kann. Was während der Aufnahme ein Segen ist, wird beim Sortieren der Bilder schnell zum Fluch. Wer sich mal durch tausend oder mehr Bilder gewühlt hat, um dem Kunden eine überschaubare Auswahl von 10-20 Bildern zu präsentieren, kann ein Lied davon singen. Gerade Bildjournalisten sind dann auch oft in Eile, denn man verkauft nur, wenn man die Bilder möglichst aktuell verschickt.

Gegen die Masse hilft oft nur ein schonender Umgang mit dem Auslöser. Obwohl ich ausschließlich den schnellen Serienbildmodus der D3 benutze, habe ich keine Serie mit mehr als drei bis fünf Bildern. Damit erhalte ich mir einerseits die Möglichkeit, von einem Motiv einige Variationen zur Verfügung zu haben – andererseits erspare ich mir unnötig viele Bilder. Was in drei oder fünf Bilder nicht drinsteckt, steckt auch in zehn Bildern nicht drin.

Beim Sortieren der Bilder gehe ich nach verschiedenen Kriterien vor, die vom Kunden abhängen. Wenn die Bilder an eine Printredaktion gehen, muss zunächst auf die Druckbarkeit geachtet werden. Bilder mit ausgefressenen Lichtern, abgesoffenen Tiefen oder monotonem Licht lassen sich schlecht drucken. In zweiter Linie suche ich nach Motiven, die gerne gedruckt werden – möglichst in mehreren Formatvariationen. Und schließlich kommen Bilder in die Auswahl, die mir persönlich besonders gelungen erscheinen. Das ist aber nur ein Teil der Kriterien, beim Zusammenstellen einer Serie für eine Galerie kann das ganz anders aussehen. Dazu an anderer Stelle später mehr.

Löschen oder behalten?

Löschen oder behalten? (© Peter Wafzig)

Was aber (und damit zurück zum Thema) passiert mit dem Rest? Früher habe ich alles, was nicht als lohnenswert eingestuft wurde direkt gelöscht. Im Nachhinein kommt mir das vor wie ein fataler Fehler. Denn dass man die eigene Leistung selbst am schlechtesten einschätzen kann, ist nichts Neues. Außerdem gibt es reichlich andere Faktoren, die eine Auswahl beinflussen können. Aktualität zum Beispiel. Gründet zum Beispiel der Schlagzeuger einer Band ein Soloprojekt, können seine Bilder plötzlich sehr interessant werden. Schade, wenn man dann nur noch Bilder vom Frontmann übrig hat. Und auch die Festlegung auf ein Medium kann böse enden: Wer jahrelang nur für eine bestimmte Redaktion gearbeitet hat, nimmt die Bildsprache an und wählt seine Bilder entsprechend aus. So entsteht in einem schleichenden Prozess ein Tunnelblick, dessen Konsequenzen sich erst Jahre später zeigen. Ein Archiv besteht aus Vielfalt und nicht aus der Bildsprache eines einzigen Magazins.

Deshalb habe ich vor einige Zeit meine Strategie geändert: Ich werfe nichts mehr weg, es sei denn es ist aus technischen Gründen (falsche Belichtung, Unschärfe…) unbrauchbar. Trotz aller Zurückhaltung während der Aufnahme habe ich je Konzert zwischen 3 und 4 Gigabyte an Daten, was sich im Jahr auf über ein halbes Terabyte summiert. Zusammen mit Daten aus anderen Jobs übersteigt die Datenmange auch mal schnell die Terabyte-Grenze. Das erhöht die Menge an Datenmaterial erheblich, deshalb muss man sich gut überlegen, wo man die eigentlich aussortierten Bilder lagert und wie man sie am besten wiederfindet. Dazu beschrifte ich grundsätzlich erst einmal alle Bilder. Name, Datum, Ort und eine kurze Beschreibung werden über IPTC-Tags in die Bilder eingetragen. Ohne Beschriftung sind die Bilder praktisch wertlos, denn was ich nicht finden kann, kann ich auch schlecht verkaufen.

Obwohl die Bilder während der ersten Sichtung nicht in der Kundenauswahl landen, verbleiben sie auf dem RAID-Array meines Fileservers. Festplatten sind inzwischen so billig geworden, dass ein anständig dimensioniertes RAID-5 mit 4×2 Terabyte Festplatten und einer Nettokapazität von 6 Terabyte für deutlich unter 1000 EUR zu haben ist. Es ist anzunehmen, dass die Festplattengrößen weiter steigen werden so dass die 6 Terabyte passend hochskaliert werden können, wenn der Platz knapp wird.

Was allerdings ausbleibt ist eine weitere Sicherung der nicht ausgewählten Bilder. In die DVD-Sicherung wandern nur die aktuell markierten Bilder. Alles andere wäre schon in wenigen Jahren kaum mehr zu überblicken – geschweige denn zu pflegen. Ein Archiv aus mehreren hundert DVDs umzukopieren (wenn zum Beispiel die DVD vom Markt verschwindet und sich neue Formate etabliert haben) ist extrem zeitaufwändig und damit garantiert unwirtschaftlich. Mehr zu Thema Backup später in einem eigenen Beitrag hier im FAQ.

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9 Kommentare

  1. TAOG  am 16.12.2009, 16:40

    Das Problem werde ich beim Wechsel auf einen neuen Body auch bekommen. Von 8mio. Auf 18mio. Bildpunkte ist schon enorm im RAW Format. Gelöscht werden unscharfe und schlechte Belichtungen. Aber der Rest bleibt. Mal sehen, ob ich mich zu einem drobo verleiten lasse.

  2. Sebastian  am 16.12.2009, 16:45

    Ich sehe die Bilder durch und behalte alles, was Mindestanforderungen an Schärfe und Motiv erfüllt. Alte Bilder, mit der Nikon D1 mit Iso 3200 hatte ich damals als unbrauchbar verrauscht wegsortiert, aber zum Glück nicht gelöscht. Heutzutage gibt es so gute technische Möglichkeiten zum entrauschen, dass eins davon sogar an meiner Wand hängt und ich es gern ansehe – denk also auch an die sich entwickelnden technischen Möglichkeiten.

  3. Norbert  am 16.12.2009, 20:16

    Löschen. (Punkt)

  4. Lukas  am 16.12.2009, 23:24

    Also ich bin dazu übergegangen, sehr rigoros durch zu löschen, so, dass manche meiner alten Konzerte mittlerweile ganz weg sind.
    Die waren allerdings auch aus meiner absoluten Anfangszeit.

    Was mich mal interessiert, behaltet ihr die RAWs oder entwickelt ihr alle einmal und kloppt die dann weg?

  5. Markus Kämmerer  am 17.12.2009, 09:38

    Hi,
    mir geht es ähnlich kenne das Problem. Bei einem Konzert mache ich meist 5-700 Bilder. Dabei versuche ich auch, schon beim Druck auf den Auslöser zu sparen. Die alle aufzuheben bringt nichts. Etwa die Hälfte fällt raus, weil sie technisch nicht absolut top sind. Bei Rest lösche ich ersteinmal alle Wiederholungen. Ist die Pose, Motiv u.ä. gleich, wird nur das beste bahalten. Fügt ein weiteres Bild nichts zu einem vorhanenen Hinzu, fliegt es weg. Ich versuche von jeder Person ausreichend Motive und Posen zu haben, auch wenn die dann im Zweifel nicht ausschließlich die besten Bilder sind. Es gleiben 20-100 übrig, die ich als RAW aufhebe und natürlich ordentlich tagge.

  6. Sven Droste  am 17.12.2009, 12:42

    Ok, geht mir ähnlich, aussortieren nach technischen und ästhetischen Aspekten, dann 1 (max. 2) pro Serie auswählen und den Rest löschen. Wie schaut ’s denn aus mit dem RAW-Format? Bleibt Ihr alle bei Hersteller Format oder wird nach DNG gewandelt. Ich kann mich nicht recht entscheiden, wie seht Ihr das?

    Sven

  7. Markus Kämmerer  am 17.12.2009, 18:42

    Ich konvertiere die RAW in DNGs, da diese vermutlich am längsten lesbar sein werden und außerdem gegenüber den CR2 ca. 10% kleiner sind. Ein Informationsverlust ist nicht zu erwarten.

  8. Timo  am 18.12.2009, 09:23

    Ich habe früher fast alles aufgehoben, seit einem Jahr lösche ich sehr großzügig. Warum? Ich habe eine Auswahl von ca. 20-40 Bildern, darin sind in der Regel alle Bandmitglieder enthalten und verschiedene Formate. Ich hoffe, dass ich das Vorgehen nicht bereuen werde ;)

    Auch wenn ich mich jetzt vielleicht blamiere oder oute, bisher habe ich normalerweise keine großen Unterschiede zwischen Print- und Onlinemedien gemacht (was die Nachbearbeitung der Bilder betrifft. Das ist bei mir sowieso nur Kontrast, Schnitt, Helligkeit).

    Ich belasse übrigens alles im NEF-Format von Nikon und exportiere eine kleine Auswahl in Web- und Printauflösung.

  9. Peter  am 18.12.2009, 14:30

    @Timo: Bei Online hat man halt eher die Chance auch mal was Unkonventionelles unterzubringen. Außerdem kann man online noch Sachen darstellen, die im Print nicht mehr gehn – Stichwort rotes Licht…

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