Was kann ich für meine Bilder verlangen?
Schlagworte: Fotopass, Gewerbe, Honorar, Journalismus, Rechtliches
Geld natürlich, was sonst? Wer sich ernsthaft mit der Konzertfotografie beschäftigt, wird sich recht bald damit befassen müssen. Denn die Ausrüstung gibt es nicht umsonst und auch der Sprit oder die Fahrkarte zum Konzert wollen bezahlt sein. Aber aller Anfang ist schwer und die Auftraggeber fallen nicht vom Himmel. Da lockt oft der Einstieg über die kostenlose Schiene. Der Deal lautet dann meistens: Die Band bekommt ein paar Fotos und lässt dafür einen Fotopass springen. Gleiches hört man auch von Redaktionen, die gegen einen Fotopass die Fotos für ihre Website nutzen wollen. Aber die Sache hat einen Haken: Fotopässe sind keine Handelsware.
Für viele Konzertfotografen steht am Anfang der klassische Teufelskreis: Ohne Fotopass keine Fotos, ohne Fotos keine Referenzen und ohne Referenzen kein Fotopass. Diesen Teufelskreis zu durchbrechen bedeutet, Kompromisse einzugehen. Aber sollte man sich gut überlegen, wo man die Grenze zieht: Wenn eine Band rein hobbymäßig unterwegs ist, kann man die auch mal kostenlos unterstützen, wenn man sich die Chance auf gutes Material erhofft. Ansonsten sollte man bei kommerziellen Unternehmen (und das sind die meisten Bands, zumindest nebenberuflich) eine Vergütung verlangen. Die kommen in kein Tonstudio, in keine Halle und zu keinem Management, ohne zu bezahlen. Und ausgerechnet der Fotograf soll kostenlos sein?

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Klar, da kommt dann das Argument, dass sich immer einer findet, der es kostenlos macht oder dass so eine Band sich ohnehin nie einen professionellen Fotografen leisten würde – aber letztlich ist das ein (wenn auch sehr kleines) Stück vom Markt, den Leute bedienen die davon leben müssen. Und da kann es keine Grauzone geben, wenn kommerzielle Interessen im Spiel sind.
Am Anfang wird man oft in Versuchung kommen, das eine oder andere Foto ohne Honorar kostenlos abzugeben, Hauptsache man hat einen Credit abgesahnt oder den eigenen Namen mal in einem Magazin gelesen. Ich kann davor nur warnen. Wenn man ein Foto abgibt, geht man einen Deal ein. Und der sollte für einen selbst gut genug sein, dass sich das abgeben eines Fotos lohnt. Entscheidend ist nicht der Wert, den das Foto für einen selbst hat, sondern der Wert, den es für andere hat. Ein Bäcker gibt wahrscheinlich auch nicht viel auf ein einzelnes Brötchen – trotzdem würde er es nie verschenken. Also, was dabei herausspringt (und sei es nur ein Credit / Link) muss gut genug sein, dass man ein Foto ohne Honorar abgibt.
Ein Link von irgendeiner Fansite bringt so gut wie gar nix. Ein Link von einer Bandhomepage einer Hobbyband ebenfalls nicht. Das macht alles nur einen unprofessionellen Eindruck. Wer sich verlinken lässt, sollte darauf achten, dass die Website was taugt. Sprich, wenn schon Fansites, dann die richtigen, offiziellen.
Und: Wer mit kostenlosen Fotos versucht, an potenzielle Auftraggeber heranzutreten, wird sich auch irgendwann vor dem Problem stehen sehen, eine Honorarforderung durchzusetzen. Wieso sollte ein Auftraggeber plötzlich für das bezahlen, was er jahrelang kostenlos bekam? Und was er in Zukunft auch kostenlos bekommt, wenn er nur eine der vielen anderen nimmt, die da Schlange stehen?
Also, wenn man kostenlos Fotos abgibt, geht man ein recht hohes Risiko ein. Einmal den Namen gedruckt sehen, beindruckt die Verwandtschaft sicher höllisch – es bringt aber ansonsten rein gar nichts, sondern richtet eigentlich nur Schaden an. Hat man nun mit dem Abnehmer das Übereinkommen, dass die Leistung honoriert wird, geht es um die Bemessung des Honorars. Bei Redaktionen wird oft einseitig (sprich, von der Redaktion) festgelegt, wie hoch das Honorar ist. Das kann zwischen unverschämten 7,60 EUR und dreistelligen Beträgen alles sein. Verhandelbar ist das meistens nicht, man sollte sich bei einstelligen Eurobeträgen allerdings ernsthaft die Frage stellen, ob das der richtige Partner ist.
Wer seine Fotos frei verkauft, kann sich in der von der MFM herausgegebenen Broschüre “BILDHONORARE” über die gängigen Honorarsätze informieren. Die werden nicht immer akzeptiert, aber die Broschüre gibt einen Leitfaden für die Kalkulation.
Zum Geldverdienen gehört natürlich auch das Abrechnen, sprich die Rechnungsstellung. Immer wieder beliebt sind dabei Verwirrspiele à la “Ich bin Privatmann, ich kann doch gar keine Rechnung stellen”. Doch, kannst Du. Jeder kann eine Rechnung stellen. Wichtig dabei: So lange man als Kleinunternehmer (weitere Infos in der Wikipedia und bei iYotta.de) unterwegs ist, weist man keine Mehrwertsteuer aus. Der Rechnungsbetrag entspricht dann dem Nettobetrag. Da genügt auf der Rechnung der Hinweis “Diese Rechnung ist umsatzsteuerbefreit gemäß § 19 (1) UStG”. Wie eine korrekte Rechnung auszusehen hat, ist auf musterrechnungen.info sehr schön beschrieben. Und natürlich geben wir alle Einnnahmen auch korrekt bei der Steuer an.
Ob man für diese geschäftliche Betätigung auch ein Gewerbe anmelden muss, hängt von der Tätigkeit ab. Wer rein journalistisch (”Bildhournalist”) oder künstlerisch (”Fotodesigner”) arbeitet, kann sich die Gewerbeanmeldung ersparen. Die beiden Berufsbezeichnungen fallen unter den Sammelbegriff “Freiberufler” und sind keine gewerbliche Tätigkeit. Anders sieht es aus, wenn man klassische Fotografentätigkeiten ausübt, wie z.B. Hochzeitsfotografie. Da lohnt dann auch mal der Weg zum Steuerberater, der sich mit allen Dingen rund um den Gewerbebetrieb auskennt.
Beachtet man das alles, wird man schnell feststellen wer ein ernsthafter Geschäftspartner ist und wer nicht. Und dass Geldverdienen mit Fotos zwar nicht unmöglich ist, aber auch nicht ganz unaufwändig. Schon deshalb muss man seine Fotos gegen ein gutes Honorar verkaufen.
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13 Kommentare
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Martin Gommel am 23.05.2009, 13:05
Hey. Sehr feiner Beitrag – schön zu lesen. Finde gut, dass Du am Schuß noch mal auf die rechtliche und geschäftliche Sache eingehst, die Links werd ich mal durch-checken. Das Thema ist sicher ein heisses Eisen, bei dem viele junge Hobbyfotografen sich mehr Fragen stellen als Antworten haben. Gut zu sehen, dass Du hier ein paar Anregungen gibst, die auch praktisch umzusetzen sind.
KWERFELDEIN - Martin Gommel am 24.05.2009, 08:01
[...] Peter Wafzig (Konzertfotograf), geht auf die Frage ein, wieviel Geld man für ein Konzert verlangen kann – ein heißes Thema, das wohl die meisten von uns was [...]
the_zipper85 am 24.05.2009, 13:39
Hallo,
Super Beitrag, ich habe den Fehler begangen und dem Luxemburger RTL die Fotos gratis zur Verfügung gestellt. Man hat mir immer gesagt, ich hätte ja immer die Referenz von RTL. Ich habe nach der 5ten Reportage aufgegeben weil mir weder die Referenz noch sonst irgendwas geholfen hat.
Einige Bands wollte dann sogar auch noch die Fotos umsonst. Was ich dann aber abgelehnt habe.
Heute führe ich keine Aufträge mehr ohne Honorar aus. (Leider sind die in letztet Zeit ziemlich dünn geworden, weil ich Honorar frage.)
MfG
MfG
Sascha Rheker am 24.05.2009, 23:43
Der Glaube als Profi starten zu können oder berühmt zu werden, indem man billiger, umsonst oder sogar kräftig draufzahlend arbeitet “um einen Fuß in die Tür zu bekommen” ist mir noch in keiner anderen Branche so massiv begegnet.
Keine Frage: man muß sich im Leben immermal hocharbeiten, aber da wo für Arbeit garnicht bezahlt wird, ist nicht der Ort sich hochzuarbeiten. Das ist der Ort wo man ausgebeutet wird und wenn man nicht mehr ausgebeutet werden will oder man es sich nicht mehr leisten kann ausgebeutet zu werden, dann wird man sicherlich nicht plötzlich königlich entlohnt, sondern schlicht durch den nächsten nützlichen Idioten ersetzt.
Und diese Ausbeuter sind auch nicht die Plattformen auf denen sich die anständigen und gut zahlenden Kunden nach neuen Talenten umsehen.
Viele junge Fotografen wollen nur das hören, was sie gerne hören wollen und was ihren romantischen Träumen vom Fotografenleben entspricht und ihnen Chancen verspricht statt vor Risiken zu warnen. Da hört man dann natürlich lieber irgendwelche vagen Versprechen irgendwelcher vermeintlicher Kunden als Tips erfahrener Kollegen. Während man so naiv ist, zu glauben, daß erstere nur das beste des Fotografen wollen, unterstellt man den anderen Fotografen gerne sie wollten nur ihre Pfründe sichern, Konkurrenz ausbremsen; oder ganz beliebt: der hat Angst weil der Newcomer so viel besser fotografiert – eine tolle Bestätigung, oder?
Was den meisten Einsteigern nicht bewußt ist, ist daß kostenlos fotografieren ohne bezahlt zu werden nicht geht!
Wer fotografiert ohne Geld zu bekommen zahlt drauf! So wie ein Taxifahrer der Kunden transportiert ohne Geld dafür zu nehmen auch draufzahlt, weil ihm der Tankwart den Sprit nicht schenkt. Der Taxifahrer hat nur den Vorteil, daß er das recht bald vom Tankwart gesagt bekommt, wogegen sich der Fotograf in den Zeiten der Digitalkameras seine Unkosten länger schönrechnen kann.
Bilder umsonst abgeben kann tun, wer mag. Aber so tun als wäre das ein Geschäftsmodell ist genauso dumm, wie zu glauben die kosten die bei der Fertigung eines Autos entstehen würden sich nur aus den Löhnen der Arbeiter am Band zusammensetzen.
Fotografieren ist mehr als nur Arbeitszeit aufwenden, es sei denn natürlich der Kunde holt den Fotografen zuhause ab, fährt ihn zum Ort des Geschehens, stellt ihm die komplette Ausrüstung und zahlt alle Unkosten, Spensen usw.
Einen guten Anhalt was es denn kostet Fotograf zu sein bietet (solange man sich nicht selbst belügt) der Costs of Doing Business Calculator der NPPA:
http://www.nppa.org
Miriam am 25.05.2009, 15:53
Dieses Phänomen des Lohndumpings zieht sich von den Fotografen weiter zu den Designern (bis zu den Milchbauern).
Auch hier werden oft Dumpingpreise angeboten oder gefordert. Sei es bei Freiberuflern oder bei Angestellten.
Es scheint aber eine Krankheit unserer Zeit zu sein, dass Leute nicht mehr für gute Arbeit gutes Geld bezahlen wollen.
Christian am 06.06.2009, 12:22
@Miriam
Hier muss ich dir voll zustimmen. Wenn das so weitergeht arbeiten alle nur noch für ein Butterbrot. Das große Problem sind die Firmen. Es wird immer versucht das billigste rauszuhohlen. Dieser Preisdruck für eine hohe Leistung kann doch auf dauer nicht gut gehen.
Benjamin Koch am 09.06.2009, 23:57
Hmmm, was soll ich dazu nur sagen … also im Ernst, habe jetzt ein kleineres Festival (8 Konzerte) und ein Konzert fotografiert und ich denke ich brauche noch einen haufen Übung. Und ja, ich bin einer, der das bisher gratis gemacht hat und werde auch in diesem Jahr wieder zwei Festivals umsonst fotografieren.
Weil, … ich noch Übung brauche und beide Festivals klein sind, noch in den Kinderschuhen stecken und dahinter sicher jeweils zwischen 50 und 100 freiwillge Mitarbeiter mitwirken. Ich sehe meinen Beitrag so, dass ich da mithelfe, dass das Festival mal grösser werden und mehr Erfolg haben kann.
Oder liege ich da so falsch? Jeder muss doch mal irgendwie klein anfangen …
X-tof am 19.06.2009, 22:00
für mich ist es bisher nur ein Hobby. Ich knipse halt, damit ich bei den Konzerten etwas zu tun habe, anstatt nur rumzustehen.
Und wenn dann noch ein paar schicke Bilder dabei rauskommen freue ich mich. Die kommen dann in klein auf die Homepage und falls mal jemand anfragt kann er die auch in größer kaufen. Hat aber noch niemand.
Und die Kamera habe ich sowieso. Damit knipse ich auch privaten Kram….
Jason am 12.09.2009, 00:07
Hi
also ich fotografiere auch Umsonst, kleine Konzerte, habe mir aber diesmal vorgenommen die cd 10 pro stück zu verkaufen bzw einzelnt für 50 cent oä.
Ich habe auch schon eine Konfirmation fotografiert und habe dafür 10€ bekommen und die cd für 2 € das stück verkauft.
so schraube ich mich langsam nach oben : ), ich habe immer mit selbstkostenpreis agumentiert, da sagt jeder immer ja.
Nun soll ich in einem Auftrag Bilder machen in einer Einrichtung. Ich bekommen die stunden bezahlt, da ich da mein Zivi mache. jetzt überlege ich ob ich dafür auch Pro gedrucken Poster 5€ nehme. (drucken bezahlen die)
Und mein Name steht drunnter (aber wie oben gesagt bringt mir das Finanziell nichts)
Eine Idee für jugen Fotografinnen/ Fotografen wie man Honorarangebote dem gegenüber beibringen muss wäre vll hilfreich. Bin mit selbstkosten immer gut gefahren aber ich fühl mich auch oft ein wenig unterbezahlt
Peter am 12.09.2009, 00:16
Hi Jason,
der Punkt ist einfach: Wenn Du mit günstigen Preisen anfängst, wie willst Du dann später argumentieren, wenn Du die Preise anheben möchtest? Im Prinzip machst Du es Dir nur selbst schwer. Wenn Deine Arbeiten gut sind, wird Dir auch ein guter Preis bezahlt werden – vorausgesetzt, die Qualität stimmt und Deine Bilder haben was, was nicht jeder Knipser mit einer DSLR auch hinbekommt. Und je öfter Du unter- oder unbezahlten Angeboten aus dem Weg gehst, desto leichter (und schneller) werden die gut bezahlten Angebote auf Dich zu kommen. Die kommen aber sicher nicht von den Leuten, die Deine Bilder bisher umsonst oder zum Selbstkostenpreis bekommen haben. Wenn Du was erreichen willst, musst Du Dich in Zukunft von solchen Leuten fernhalten.
Und die Vermittlung von Preisen ist sehr einfach: Wenn Du Dir einen Tagessatz überlegst, zu dem Du gerne arbeiten möchtest musst Du den auch vertreten. Die Kunden werden immer versuchen, zu handeln. So lange das fair abläuft ist es okay – wenn Du das Gefühl hast, dass es zu Deinen Lasten geht, musst Du halt rechtzeitig aussteigen. Du würdest Dich wundern, wie viele Leute einen Preis plötzlich okay finden, wenn man mal hart bleibt und nicht immer gleich ein Sonderangebot unterbreitet. Kulant sein kann man später noch…
Viel Erfolg,
Peter.
Jason am 12.09.2009, 00:27
Ok danke
mit der ausstellung ist nur etwas verzwickter, es kam die frage auf sollen wir nicht mal… und dann über einige ecken kam das an bei mir mit der frage du machst doch gerne Fotos hättest du lust eine fotoserie hier zu machen.
Ich sagte natürlich habe ich interesse. Und an dem Punkt habe ich es verpasst zu sagen bekomme ich das bezahlt, weil man mir gesagt hat schreib dir die stunden auf die du brauchst dafür.
Reto am 02.10.2009, 17:28
Netter langer Beitrg. Nur schade, dass er die in der Headline aufgeworfene Frage in keiner Weise bantwortet, dafür aber auf Ding eingeht, die man an dieser Stelle nicht vermutet hätte. Thema verfehlt, mangelhaft, setzen!
Peter am 02.10.2009, 18:53
@Reto: Schade, dass du den Artikel nicht richtig verstanden hast. Das qualifiziert Dich nun auch nicht gerade zur Vergabe von Noten. Aber sei’s drum, es kann nicht jeder alles verstehen und Transformation ist auch nicht jedermanns Sache. Beim nächsten Mal liest Du den Artikel einfach noch etwas aufmerksamer…